Diese Stadt ist wirklich ein bilinguales Wunder. Hier spricht quasi jeder englisch und französisch und das oft sogar vom Busfahrer bis zum Fast-Food-Restaurant-Angestellten über alle anderen Jobklassen hinweg. Ich frage mich, ob Montreal, als die größte französisch-sprachige Stadt neben Paris, diesen enormen Vorteil auch nutzt oder ob der Sprachvorteil einfach ungenutzt verpufft. Denn anscheinend müssen die Bewohner dieser Stadt ja dann schon ein bißchen intelligenter sein als der Durchschnitt, um auf zwei Sprachen fließend zu sein oder aber natürlich die geistige Kapazität bleibt für irgendetwas anderes ungenutzt z.B. für die Kreativität beim Hausbau… Die meisten Häuser hier sind zweistöckige Bunker (ohne Dach), wobei oft in den verschiedenen Stockwerken unterschiedliche Familien wohnen. Ich finde das süß, weil es erinnert mich an ein paar Bungalows in Frankreich, in denen ich vor Urzeiten mal war, aber letztendlich sind hier die meisten rote Ziegelbauten (verklinkert oder echt kann ich nicht sagen), mit ein paar Balkonen und oft einer Aufgangsveranda. Aber man muß schon genau auf die Strassennamen achten, um sich nicht in den Einheitsbauten zu verlieren. (Aber das ist dann wohl der Nachteil von amerikanischen Wohngegenden, wo binnen kürzester Zeit tausende von Häusern gleicher Bauweise hochgezogen wurden). Aber insofern ist den Montrealern das Wohnen auch nicht so wichtig und man legt dann auf die Wohnung auch nicht so viel wert. Andere Dinge sind wichtiger (also Montreal ist vor allem für seine kulturellen Events bekannt).
Wie immer habe ich natürlich auch heute wieder mal in einer Bibliothek vorbeigeschaut (unter anderem um den Spiegel mal in Papierform zu lesen), dann hatte ich aber ein Kino-Erlebnis. Ich hatte nämlich ein Erlebnis aus dem Film “Matrix”, wo die Hauptakteuere feststellen, dass eine wohl menschliche Person in einer Kapsel an so ein Energienetzwerk angeschlossen ist, und sich die Akteure danach umdrehen und feststellen, dass um sie herum tausende und abertausende ebensolcher Kapseln aufgereiht stehen und hängen (und somit das Ausmaß des Schreckens deutlich wird). Nun, ich war in einer Bibliothek und es wurde niemand “energetisch” angezapft, aber nachdem ich dann erst wenige Leute vor Computern sitzen sah und schließlich bei genauerem Blick um die Ecke hunderte von Menschen vor Computern sitzen sah, kam ich mir wirklich vor, wie ein Besucher dieser Matrix, dem Kapselnetzwerk, aus dem Kinofilm. Brrrrrrrr….. schauderlich, aber ist dann wohl doch die Realität, dass heutzutage ohne Computer nichts mehr geht. Wenn man persönlich um Auskunft fragt, sagen einem die Leute: “Schauen Sie doch ins Internet!” und irgendwie entwickelt sich so langsam das Szenario aus dem Kinofilm “Matrix”, wo die Menschen einzeln in separierten Kapseln - vor ihrem Computer - leben und nur noch ab und zu die Kapseln verlassen, um zu essen oder zu schlafen. Naja, irgendwie scheint das in der Großstadt ja noch eher notwendig zu sein, als auf meiner kleinen vergangenen Inselheimat.
Nach meinem Inselkoller habe ich jetzt den Großstadtschock. Vielleicht ist die geeignete Umgebung für mich dann doch eher die Kleinstadt, aber das kann man nach 3 Tagen Montreal wohl kaum beurteilen.
Meine Erkältung ist fast völlig auskuriert und ich habe mich auch wieder an den Lärm der Stadt gewöhnt… an den echten bilingualen Lärm.
LG, Eure Alex