Nachdem ich also von Seattle nach Vancouver geflogen bin, ging es nur 3 Stunden später weiter nach Montreal.
Dummerweise musste ich mein Gepäck in Vancouver wieder abholen und erneut einchecken, aber das liegt wohl daran, dass die Kofferlogistik an den Flughäfen oft manuell ist und man sich die Arbeit des Koffertransfers über den halben Flughafen sparen will.
Um kurz nach 11 Uhr abends bin ich also in Richtung Quebec, der Provinz losgeflogen, und durfte vom Flugzeug aus den Sonnenaufgang über Kanada erleben. Das war wirklich beeindruckend - vor allem, wenn man noch den Sternenhimmel auf der anderen Seite des Horizonts sieht. Der Flug selbst verlief etwas ruckelig, aber ich habe mittlerweile schon schlimmere Turbulenzen erlebt und beten hilft.
Beten hilft? Naja, ich bin ja nicht unbedingt gläubig oder religiös richtlinientreu, sondern eigentlich eher modern und liberal, aber ich kann im Angesicht des Todes (also bei Turbulenzen) die heilende Wirkung irgendeines Gebetes (egal welcher Art und egal welcher zugrundeliegenden Religion) nur empfehlen. Es beruhigt ungeheuer und die Panik ist ja so oder so ungemessen.
(Oh je, das hängt mir jetzt ewig hinterher, oder?)
In Anbetracht eines Lebens ohne große Not und Kummer, ist es ja irgendwie normal, wenn man sich den Religionen mit ihrer jeweiligen, komischen Dokmatik abwendet. Aber wenn man dann wirklich mal am Rande der Existenz steht (warum auch immer), ist der Rückzug zur inneren Mitte, das Gottvertrauen absolut überlebenswichtig. Ich möchte mich hier mit niemand über irgendetwas streiten und auch keinerlei naturwissenschaftlichen Beweise vorbringen - außer natürlich, dass es Gehirnscans von buddhistischen Mönchen gibt, bei der sie ihre Gehirnaktivität und Herzaktivität bewußt stark reduzieren können. Im Normalfall mag das keinen großen Unterschied machen, aber die Ruhe wirklich bewahren zu können, bedarf nicht nur eines kontrollierenden, emotionsleeren Verstandes, sonderen auch dem Vertrauen in den Rest der Menschheit (denn die Emotionen sind auch da, wenn man sie unterdrückt). Wenn man die Emotionen aber akzeptiert, zuläßt und bewußt steuert, findet sich der Weg zur inneren Mitte leichter.
(Oh je, was schreibe ich denn da schon wieder für einen M…. Man verzeihe mir, ich bin wohl noch nicht wirklich soweit, das angemessen auszudrücken).
Zurück zu meiner Reise: Nach dem Sonnenaufgang gab es also einen herrlichen Schwenk über Nordosten von Montreal, um in Richtung Südwesten landen zu können. Montreal ist eine Stadt inmitten von nichts bzw. nicht viel. Drumherum gibt es viele Seen Wälder und noch ein bißchen Schnee, aber ich bin wohl gerade in dem Moment gekommen, wo der Großteil des Schnees entschwunden ist und nur noch ab und zu an manchen Strassenecken ein paar Schneehaufenreste herumliegen. Das Gras in der Stadt ist gelb und die Bäume alle kahl - noch…
Lassen wir uns überraschen! Ich genieße gerade die Sonne auf dem Balkon meines Bekannten und hoffe, dass Dich der Frühling bzw. die wiederkehrende Sonne auch schon erreicht hat.
Liebe Grüße aus Quebec,
Eure Alex
P.S.: Ach ja, krank war ich auch ein bißchen - Schnupfen und Husten und so, aber dank der hervorragenden kanadischen Medikamente, bin ich schon wieder fast 100%ig fit.