Hier wie versprochen, der restliche Bericht über Seattle.
Nach meiner Boeing Tour, bei der mir der Fahrer der Tourbusses freundlicherweise noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt erklärt hat und dass die Busse im Innenstadtbereich zwischen 7 und 18 Uhr (oder so) alle umsonst sind, wurde ich also auf meinen Wunsch beim Public Market rausgelassen. Dieser Markt, um den sich noch einige andere Geschäfte angesammelt haben ist dann wohl die Hauptattraktion von Seattle. Naja, es war ganz nett und auf dem Markt gab es allerlei Stände mit viel Fisch und schliesslich bin ich dann noch zur Hauptattraktion gegangen. Schliesslich stammt der erste Starbucks auch von hier und so musste ich obligatorisch meinen Nachmittagskaffee bei dem 40 Jahre alten kleinen Laden trinken. Naja, so klein ist der Laden nicht, aber es ist wohl nur ein Raum ohne viele Hinter-und/oder Lagerräume, so dass viel Kisten oberhalb der Schränke im Hauptraum gelagert werden müssen (Vielleicht ist das auch nur ein Marketing Gag). Das ursprüngliche Logo der Firma, bei der die Starbucks - Meejungfrau noch oben ohne ist und man ihre zwei Schwänze deutlich sieht, gibt es hier auch noch. Plätze zum Sitzen gibt es im ersten Starbucks eigentlich auch nicht wirklich, denn früher hat der Laden wohl nur Kaffee und allerlei Gewürze verkauft, die wohl direkt von Hafen geliefert wurden. Der Public Market liegt ja quasi direkt am Wasser - so wie die halbe Stadt.
So ist Seattle als ganzes eine ähnlich hügelige und vom Wasser umspülte Stadt wie San Francisco, nur dass Seattle keine Halbinsel ist, sondern vielmehr ein langgezogener Schlauch an Landmasse.
Nach meinem Marktbesuch war ich dann bei der Space Needle, dem Aussichtsturm von Seattle, der zu irgendeiner Weltausstellung gebaut worden ist. Dort sind auch eine Menge verschiedster Museen präsent, die aber vor allem wohl für Kinder sehr interessant sind. Auch zur Weltausstellung wurde die Monorail, gebaut, eine hochgeführte, einspurige Bahn, die allerdings nur für Touristen gebaut wurde, weil die Fahrtzeit von einem Ende zum nächsten nur 90 Sekunden beträgt - ein Weltausstellungsguddi - sozusagen, aber letztendlich dann wohl nur Verschwendung anstatt Nutzung und Etablierung neuer Technologien. Naja, natürlich habe ich die Fahrt trotzdem mitgemacht und bin schliesslich wieder in meinem Hostel gelandet.
Am Donnerstag, bin ich dann wieder früh aufgestanden (also für meine Verhältnisse, weil es nur bis um 9 Uhr Frühstück im Hostel gab), habe mein Gepäck für den Tag einlagern lassen und bin wieder in die Stadt losgezogen. Am ersten Donnerstag im Monat ist in Seattle Museumstag und insofern sind viele Museen kostenlos. Ich bin also gleich ins Kunstmuseum von Seattle, um mich dort etwas umzugucken, aber aufgrund meiner nervigen Erkältung war ich nicht wirklich so aufnahmebereit und habe meinen Museumsbesuch vorzeitig abgebrochen (war ja auch umsonst) und bin stattdessen in die öffentliche Bibliothek von Seattle.
Es gibt in einer fremden Stadt keinen beruhigenderen, sicheren Ort als Bibliotheken - noch dazu ist die Bibliothek selbst ein architektonisches Meisterwerk - wohl damit man sie zwischen all den Gebäuden erkennt. In der Bibliothek war wie immer ein beruhigendes Klima, keine Hektik der Stadt, kein Kaufzwang und nicht zuuuuu viele Eindrücke.
Schliesslich bin ich dann noch auf das größte Hochhaus der Stadt hochgefahren, habe noch ein anderes Museum besucht und bin dann mit meinem Gepäck Richtung Flughafen losgezogen. Erfreulicherweise hielt die entsprechende Strassenbahn direkt neben meinen Hostel und somit war ich von den Transportlasten meiner Unmengen an Gepäck einigermaßen verschont.
Am Flughafen ging es dann aber wieder los: “Sie haben Übergepäck - 4 Pfund”. Oh je, so was pingeliges, wegen unter 2 kg einen Aufstand zu machen. Naja, ich hab mich dann entschieden, meinen Koffer aufzumachen und zu gucken, ob ich denn noch etwas dalassen könnte. Nachdem ich meine Turnschuhe in meine Handgepäcke genommen habe und meine Badsachen (Shampoo etc.) entsorgt habe, wog der Koffer genau 50 Pfund und die Dame am automatischen Check-In Schalter war zufrieden.
Na super, der ist ja egal, wenn ich im Handgepäck 5 kg Übergepäck habe, weil sie das nicht händeln muss.
Dann Sicherheitskontrolle: Ihr wißt schon, das mit dem Körpernacktscan. Sollte ich mich weigern und rumzicken? Wenn ich Amerikanerin und Kanadiern gewesen wäre, hätte ich mich vielleicht quergestellt, aber als Deutsche, die ja eigentlich keinerlei nationale Rechte in diesem Land hat und nur Besucherin ist, dachte ich mir, das würde den ganzen Aufstand nicht wirklich lohnen. Ändern könnte ich auf diesem Wege ja auch nichts. Ich mache also meine Beine breit, nehme meine Arme über dem Kopf zusammen und lasse mich in dieser Maschine scannen. Neugierig frage ich den draußen stehenden Beamten nach meinem Photo. “Das sehen wir hier nicht”, sagt er, ” die Leute, die die Bilder begutachten sitzen ganz woanders und geben uns nur anonymisiert eine Freigabe, wenn das Bild okay ist”. Klingt super… ich muss sagen, aus Datenschutz technischer Sicht ist das wohl wirklich die beste Lösung, obwohl die diese Methode für nicht sonderlich effektiv halte, um echte Terroristen abzuschrecken. Aber egal.
Der restliche Rückflugprozedere verläuft reibungslos. Es gibt keinerlei dumme Fragen von irgendwelchen Zöllnern und sowohl die amerikanischen wie auch die kanadischen Zöllner sind ausgesprochen freundlich.
“Willkommen daheim!”, meint der kanadische Zöllner noch am Flughafen Vancouver.
Danke, Kanada, dass ihr auch einen kurzzeitigen Mitbürger so nett (wieder) aufnehmt.
Liebe Grüsse, Eure Alex