Viele Leute fragen mich: “Alex, was machst du eigentlich den ganzen Tag auf deiner Insel?”
Die Antwort ist gleichzeitig simpel und komplex:
Ich koche und esse, wenn es mich hungert.
Ich trinke, wenn es mich dürstet.
Ich mache Feuer, es wenn mich friert.
Ich schlafe, wenn ich müde bin.
Ich wasche mich, wenn ich dreckig bin.
Ich gehe, wenn ich gehen möchte.
Ich laufe, wenn ich laufen möchte.
Ich lese, wenn mich nach Wissen dürstet.
Ich treffe Freunde, wenn mich nach Menschen dürstet.
Ich schreibe Euch, wenn mich nach der Heimat dürstet.
Alles in allem lebe ich oder vielmehr: Ich bin.
Ich bin, weil ich sein darf und nicht, weil ich sein muss.
Sein dürfen. Kein Verpflichtungen, keine Termine, kein Stress.
Naja, so langsam lasse ich die Welt wieder in mein Leben: beantworte manche Emails schneller, arbeite ab und zu und habe jetzt auch zum Ende des Monats mein Zimmer gekündigt.
Ironischerweise findet an meinem vorletzten Tag auf der Insel eine Veggie-Party im Haus meiner Freunde statt, jene kanadischen Freunde, die ich auf einer Veggie-Party kennengelernt habe.
Die Zukunft ist ungewiß (wie immer), aber ihr kennt mich ja - für mich ist das ja eher ein Herausforderung als eine Gefahr.
Alles in allem war die Insel sehr heilsam für mich und ich habe das Leben als solches viel mehr zu schätzen gelernt. Just heute fiel mir dann so ein Buch in der Bücherei in der Hände (J. Anderson, “The second journey”) und es hätte fast ich sein können, wie die Autorin so ihr leben auf der schottischen Insel Iona beschreibt.
Aber ich seh schon, die Welt will mich wiederhaben und ich brauche die Welt ja auch - was wäre ich denn nur ohne Euch alle?
Die Sommersaison naht und die Insel wird dann sowieso von lauter Touristen bevölkert … wer will das denn schon; das zerstört mir ja nur meine Ruhe auf meiner Insel mit (oder ohne) meinem Hund.
Letzte Woche habe ich Delphine (angeblich Schweinswale) vor und hinter der Fähre herschwimmen sehen. Wenn das mal kein Zeichen ist.
Es ist Zeit aufzubrechen, nicht sofort, aber langsam Schritt für Schritt … und die Zügel wieder selbst in die Hand zu nehmen und (nur) soviel (der Verantwortung dieser Welt auf sich) aufzuladen, wie man auch sicher tragen kann (ohne zu stolpern).
Bin auch nur ein Mensch, bin auch nur klein, drum bitte, bitte, laßt mich’s: SEIN.
Liebe Grüße,
Eure Alex