Ich denke, es ist Zeit ein Hunderesumee zu ziehen. Ich hatte in meinem Leben bisher kaum Kontakt zu Hunden und meistens eigentlich relativ große Angst. Seit ich nun mit einem kleinen, harmlosen, süßen Hund zusammenlebe, ist fast jede Angst in Bezug auf Hunde verschwunden, denn ich habe endlich gelernt, was Hunden wichtig ist und wie Hunde so denken.
Und insofern habe ich vielleicht ein bisschen intuitive Panik vor großen, bösen Hunden, aber letztendlich gibt es keine bösen Hunde. Hund sind Haustiere, die vom Menschen sozialisiert und erzogen werden (müssen) und insofern können sie sich nur so gut verhalten, wie ihr Herrchen/Frauchen. Der Mensch ist immer der Boss (oder sollte es zumindest sein) und der Hund reagiert dafür aber umso kritischer auf Unsicherheiten des Menschen. Eine unsichere Halterin eines Pitbull ist somit eine ungeheure Gefahr, da sie ihre Gefühle auf die Hunde projeziert und die dann denken, sie müssten ihr Frauchen verteidigen. Unserem Hund geht es nicht so, er ist klein und süß und ist fast zu jedermann nett. Manchmal bellt er fremde Leute, die in unser Haus kommen ein bißchen an, aber das ist so wie eine Alarmanlage. Und meist ist er auch sofort ruhig, wenn er den Gast beschnüffeln darf und gestreichelt wird. Unser Hund kann ja inzwischen auch einige Kunststückchen, die man nur mit viel Geduld, Belohnungen und Furchtlosigkeit dem kleinen Hundchen beibringen kann. Furchlosigkeit insofern, als dass der Hund natürlich unsicher ist, wenn man Dinge von ihm verlangt, die er so nicht kennt und noch nie gemacht hat und dann muss man halt klarmachen, dass er immer in Sicherheit ist und dass er einem vollkommen vertrauen kann. Ich erinnere mich noch an die erste Zeit, wo ich selbst manchmal ein bisschen gezittert habe und der Hund dann ab und zu mal nach mir geschnappt hat (allerdings ohne jemals beißen zu wollen, sondern eben nur als Abwehrgeste - das macht er bei mir noch noch, wenn ich ihn selbst anfauche).
Und was hab ich selbst gelernt?
Hunde sind wie Babies oder kleine Kinder. Man muss sich fast ständig um sie kümmern und sie schlafen den ganzen Tag. Gleichzeitig treiben sie einen aber auch aus dem Haus und sorgen dafür, dass man selbst etwas Bewegung bekommt. Man hat dann eben etwas, um das man sich wirklich kümmern muss, was einem dann aber im Gegenzug auch viel Treue und Liebe zurückgibt. Dann kommt er irgendwann angekuschelt, freut sich, wenn man nach Hause kommt und erfreut einen selbst, wenn er etwas neues gelernt hat.
Insofern konnte ich mit unserem Hund, meinen Baby-Komplex ordentlich ausleben. Natürlich ist es nicht ganz dasselben, aber es kommt einem wohl nichts so nahe wie das Leben mit einem kleinen Hund (den man dann auch noch hochnehmen kann). Katzen sind da viel eigenständiger und benehmen sich dann eher wie ältere Kinder oder Teenager, die machen, was sie wollen und ihre eigenen Wege gehen. Hunde brauchen ihren Boss, ihr Alphatier, um glücklich zu sein. Am liebsten rund um die Uhr. Bevorzugt schlafen sie auch in Hörreichweite des Herrchens - dort ist es sicher - da kann man beruhigt schlafen.
Das ist dann interessanterweise wohl auch etwas “männliches”, weil Männer wohl in Anwesenheit von Partnerinnen durchschnittlich besser schlafen und Frauen in Anwesenheit von anderen Menschen schlechter. Das liegt bei Frauen aber wohl auch daran, dass sie dann voll auf die Pflege/Fürsorge für die anderen Menschen fixiert sind und bei jedem Pieps von z.B. ihrem Baby sofort wieder wach sind und die Notversorgung übernehmen können. Bei unserem Hund und mir ist es teilweise ähnlich. Ich kenne seine Stimme genau und wenn er gerade draußen ist und dann marginal bellt, eile ich sofort, um ihm die Tür aufzumachen, wo andere die Stimme noch gar nicht wahrnehmen.
Und hier kommt dann auch das “Schreiende Kinder”-Phänomen zum Tragen - nämlich dass Mütter schreiende Kinder super ignorieren können - es sei denn sie sind die eigenen. Das ist bei unserem Hund genauso. Wenn er draußen ist und bellt, versuche ich immer, ihn zurückzurufen (was er oft nicht tut) und insofern bin ich froh und erleichtert, wenn andere Hunde bellen (weil dann ja andere Hundehalter das Problem haben und nicht ich). Natürlich sind Hunde keine Kinder, aber die Dinge sind doch ziemlich ähnlich und ich bin wirklich froh, dass ich diese Erfahrung machen konnte.
Immerhin sagt es mir, dass man einen Kinderwunsch - also das emotionale Bedürfnis sich um jemanden Hilfosen kümmern zu wollen - auch mit einem Hund zum Großteil befriedigen kann, was den Vor-/Nachteil hat, dass das “Kind” niemals erwachsen wird.
Die Sache mit den Hunden hat nur einen großen Nachteil: Innerhalb der Großstadt ist Hundehaltung ein Tierquälerei. Also natürlich nicht ausschließlich, aber dann doch oftmals.
Ich sehe das in Vancouver, wenn die Hundehalter ihren Hund auf den 2qm Gras am Straßenrand zwingen, dann doch endlich ihr Geschäft zu machen. Weiterhin ist das leinenlose Gassi-Gehen in der Stadt total undenkbar - es gibt viel zuviele Ablenkungen (Es ist ja schon als Mensch schwierig fokussiert durch die Stadt zu gehen und den ganzen Strassenlärm auszublenden).
Letztendlich leben aber die Menschen mit Hund dann oft gesünder/naturverbundener als Menschen ohne Hund. Und so oder so… man muß wohl in seinem Leben selbst wissen, was man will.
Klar, es gibt immer auch Nachteile, aber was hat denn keine Nachteile???
Liebe Grüße,
Eure Alex