So langsam werde die Tage hier Routine … also zumindest manche Tage … also zumindest Montag, denn da muß ich ja immer im Second-Hand-Shop arbeiten. Alles andere in meinem Leben ist ja eher unregelmäßig. Insofern habe ich morgens einen netten Sonnenaufgang mitansehen dürfen, denn im Moment, da es draußen eisig kalt ist (so 1 °C), ist die Sicht besser.
Es war also ein ganz normaler Montag und ich habe dann doch glatt tagsüber 10 Leute getroffen, die meinen Namen gekannt haben und davon waren nur ein paar meine Kollegen im Second-Hand-Shop und meine Mitbewohner. Das stelle man sich mal vor. Ich spaziere über diese Insel und man kennt mich bereits (ohne großes zutun). Um mal wieder das München-Beispiel zu ziehen, in München habe ich oft so 5 Leute getroffen tagsüber, wovon ich 3 bzw. 4 wirklich fast täglich gesehen habe. Zufällig treffe ich die Leute in München eigentlich sehr selten. Wenn ich dann aber mal jemand nicht-zufällig treffe, dann sind es doch gute Bekannte oder Freunde. Und der Rest des Umfeldes z.B. meine Mitsportlerinnen bei meinen Step-Aerobic-Training kennen meinen Namen nicht.
Letztendlich bekommt man aber guten “Input” nur von Leuten, die einen bereits ein bißchen kennen und wo man nicht immer bei Null anfangen soll. Hierbei sei erwähnt, dass der Input natürlich nicht “persönlich” stattfinden muss und dass mich die Emails meiner Verwandten und Freunde auch immer sehr freuen und motivieren.
Allerdings muss ich sagen, dass die Menschen vor Ort, manche Probleme doch einfach besser nachvollziehen können als Menschen irgendwo in der Welt. Dazu hilft es aber auch schon, dass diejenigen die Leute kennen, über die man so spricht. Naja, letztendlich braucht man wohl nur jemand, der einem manchmal zuhört, wenn man sich “auskotzen” möchte über irgendjemand anders. Die Dinge sind dann auch meistens halb so wild und der Ärger ist schnell verflogen, sobald er mal “raus” ist und man die Probleme mit jemandem “teilen” kann. Ich denke, das ist sehr wichtig … also zumindest für mich.
Gleichzeitig ist man durch die vielen Bekannten auf Bowen aber auch eine transparentere Persönlichkeit und muss auch authentischer sein, denn wenn ich zufällig mehrere Bekannte gleichzeitig treffe, würde jede Unstimmigkeit in meinen Geschichten schnell auffallen. In der Anonymität der Großstadt ist es ja mehr oder weniger egal, wem man was erzählt, da die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass sich Leute jemals über mein Leben austauschen (so spannend ist das ja nicht).
Wenn ich aber hier z.B. eine Couch transportiere, weiß das danach der halbe Second-Hand-Store, wenn mein Transporthelfer vorbeischaut und mich nochmal fragt, wie ich die Couch jetzt aufgestellt habe. Gleichfalls ist schon bekannt, dass ich für den Hund meiner Vermieterin eine “Patentante”-Rolle angenommen habe und für ihn Leckerlis kaufe, damit er meine Tricks macht (und mich liebt - im Übrigen hat er heute seine erste Rolle alleine geschafft - Juhuh!!!). Hierbei muss ich aber erwähnen, dass der Hund noch bekannter ist als ich, weil er wohl eine außergewöhnliche, freche, selbstbewußte, kleine Terriermischung ist (ja, ja, man erkennt schon, warum wir uns so gut verstehen ;-)).
Schönen Tag, ihr Lieben!
Eure Alex