Heute war ich im Konzert (siehe Travelinlight.info ) in der Kirche bei Cates Hill. Es waren wieder mal so 50 (?) Leute anwesend und es ist dann wirklich überraschend, wieviele Leute man doch mittlerweile zumindest vom Sehen her kennt.
Während meiner ganzen Jahre in München habe ich so viele Leute nicht gekannt (also außerhalb meiner Arbeit) und das interessante hierbei ist dann wirklich, dass es Menschen aus allerlei Berufsfeldern sind. Hier trifft man dann noch den Arzt, den Musiker, den Verkäufer und den Leiter einer Softwarefirma an einem Ort. Die Leute sind durch ihren Aufenthalt auf Bowen Island bereits genug “klassifiziert” und müssen nicht noch weiter separiert oder in Clubs aufgeteilt werden. Naja, so ganz stimmt das ja auch nicht, denn ich kenne die meisten Leute ja dann doch vom Treffen des Veggie-Clubs. Und man hat mir auch neuerdings den Fußball-Club ans Herz gelegt, um Leute kennenzulernen (weil man wohl beim Fußball mehr miteinander redet als beim meditatives Tanzen). Letztendlich trifft man sich dann aber doch immer irgendwo (und nicht ausschließlich bei den Club-Treffen)
Die Club-Idee ist ja was Bekanntschaften angeht in Deutschland auch sehr beliebt, aber man sieht die Leute dann eben oft nur bei Club-Treffen. Und was macht man, wenn man sich dann nicht für einen Club entscheiden kann und nicht bereit ist soviel Zeit in EINEN Club zu investieren? Also ich bin kein Club-Mensch … eigentlich so generell. Da treffe ich mich dann doch lieber mit meinen Freunden, in der wenigen Zeit, die man sich so als berufstätige Person in der Woche freischaufeln kann/möchte.
Hier auf Bowen ist ja erst mal alles anders, aber der Hauptnachteil auf Bowen ist dann wohl dass die Bevölkerung dem demographischen Durchschnitt entspricht (mit einer Lücke so zwischen 20 und mindestens 5, da die jungen Kanadier entfernt vom Elternhaus studieren - siehe Link zum pdf der Gemeinde von Bowen Island) und dass dieser zur Zeit in Richtung höheren Alters verschoben ist. Ja, auch Kanada hat ein demographisches Problem, Quebec hat dafür in letzter Zeit sogar ordentlich Geld in die Hand genommen und an der Elternzeit und der Kinderbetreuung geschraubt (Sieh an, sieh an!), um die Kinderzahl nach oben Schrauben zu können (so kann man in Quebec z.B. bis zu 70 Wochen in Schwangerschaftsurlaub/Mutterschutz/Elternzeit gehen im Vergleich zu maximal 52 Wochen im Rest Kanadas. Siehe dieses pdf HIER . Gleichzeitig werden Kosten für bis zu drei künstliche Befruchtungen in Höhe von derzeit ca. 70 Millionen Dollar jährlich von der Regierung übernommen. Jedoch hat sich die Geburtenziffer dadurch nicht erhöhen lassen (es bleibt bei 1,73 Kindern pro Familie, was sehr viel mehr ist als die 1,4 Kinder der deutschen Frau).
Letztendlich bedeutet das dann aber nur, dass man mit Geld niemanden “überreden” kann, Kinder zu bekommen. Wie bin ich wieder bei diesem Thema gelandet?
Ach ja, Bowen Island und seine Demographie… man kann echt sagen, was man will, aber am wohlsten fühlt man sich dann doch, wenn man Leute um sich hat, die diesselben Probleme und/oder Interessen (wobei das eine oft aus dem anderen folgt) haben, wie man selbst (dann doch wieder die Klassifizierung).
Insofern bin ich froh, dass ich meine “Clique” hier bereits gefunden habe. Schaun wir mal, wie es noch weitergeht im (Nachbar-) Land der unbeschränkten Möglichkeiten mit dem guten Gesundheitssystem, den theoretisch realisierten metrischen Einheiten, den guten Eishockey-Spielern, dem riesigen Reservoir an Bodenschätzen und dem Mosaik an Kulturen, in dem sich jeder (irgendwo) zu Hause fühlen kann, wenn er der demokratischen (gleichberechtigten) Grundordnung zustimmt.
Und ja, das Konzert war sehr gut
Liebe Grüsse,
Alex