Hallöle,
ich hatte gestern abend zuviel Kaffee und zwar viel zu viel (3 Tassen abends). Normalerweise trinke ich höchstens ein bis 2 Tassen am Tag, aber das viele Koffein hat mich dann schon etwas geschockt, so dass ich um 5 Uhr in der früh mit einem Albtraum aufgewacht bin. Naja, ich habe ja keine echten Albträume, sondern vielmehr habe ich geträumt, dass ich mir einen Horrorfilm angucke und mich darüber gewundert, was für einen Schrott ich mir dann doch angucke und dann bin ich eben mit pochendem Herzen aufgewachst und braucht erst einmal Ruhe und Sicherheit.
Die Ruhe ist hier insofern schwierig, als dass der Regen so laut auf den Balkon prasselt. Und als zusätzliche “Sicherheit” ist mir dann nur eines eingefallen: “Mein Blog abschalten”.
Gleichzeitig konnte ich Euch also einmal illustrieren, wie schnell das Geschriebene meiner Person wieder aus dem Internet weg ist, wenn ich das möchte.
Und weiterhin möchte ich darauf hinweisen, dass das Internet keineswegs anonym ist.
Ich rede jetzt nicht von E-Emails die irgendwo kopiert werden, sondern ich rede von den Spuren, die ihr so hinterlasst, wenn ihr meine Website besucht. Denn ich bin mir meiner Besucher durchaus bewußt, obwohl ich nicht alle von Euch kenne.
Die Münchner Bande ist ja “harmlos”, weil das sind meine Familie und Freunde, die mein Leben wohl interessiert. Dann gibt es einige in aller Welt, die ich auch persönlich kenne und mich immer wieder freue, wenn sie auf meinem Blog vorbeischauen.
Dann gibt es allerdings auch Leute, die ich nicht 100%ig zuordnen kann und dann werde ich schon ab und zu etwas skeptisch, wer denn da Interesse an meinem Leben hat.
Dass man dann von Facebook selbst und irgendwelchen komischen russischen, chinesischen oder amerikanischen Boots gescannt wird, muss man dann wohl hinnehmen - schliesslich ist das Internet frei und offen für alle. Aber sooooo offen bin ich ja eigentlich gar nicht.
Und der Kaffee unterstützt die nicht-existente Kontrolle dann auch noch.
Also nein, es sind immer noch diesselben 20 Leute, die täglich mein Blog lesen (und keine Tausende), aber manchmal weiß ich dann nicht, ob es “sicherer” wäre über die Banalitäten des Lebens zu plaudern, anstatt die Probleme und Verhaltensweisen der Welt zu analysieren. Letztendlich habe ich doch auch nur eines: Eine große Klappe. Und was man nicht will, ist dann irgendwann dafür zahlen zu müssen.
Also ich stehe eigentlich schon zu allem, was ich so sage, aber letztendlich ist die Welt und ihre Bevölkerung doch grösser als von einem Menschen vorstellbar.
Auf Bowen Island ist die Welt kleiner. Ich war heute wieder in unserem Dörfchen (Snug Cove), habe den Schlüssel zum lokalen Cafe abgegeben (den ich mir für unser Deutsches Treffen gestern ausgeliehen hatte), ein Schwätzchen mit den Angestellten der lokalen Zeitung gehalten, eine alte Bekannte getroffen und mir mein Mittagessen bei unserem Fast-Food-Inder (der kein Inder ist) besorgt, woraufhin ich als (bekannte) Bewohnerin der Insel eine Punktekarte bekommen habe. Es ist alles so übersichtlich, harmonisch, sicher, dass man irgendwie dann doch wieder skeptisch wird. Letztendlich muss man hier nämlich für echte Geheimnisse, d.h. “normale” Anonymität, wirklich besondere Vorsicht walten lassen oder gleich die Insel verlassen.
Wenn ich ein Paket bei der Post abhole, treffe ich mindestens eine Person, die einen meiner Bowen Bekannten kennt und sicherlich bei Bedarf die Dinge weitertratschen würde. Gleichfalls tratsche ich ja auch gerne über dies und das mit diesem oder jenen, aber ich möchte dann doch nicht, dass jeder alles von mir weiß.
Es wurde mir zugetragen, dass es wohl ein lesbisches Pärchen auf der Insel gab, die ein Kind bekommen wollten und die aufgrund des Geredes der Insel dann nach Vancouver geflüchtet sind, weil sie die Offenheit und das “Leben auf dem Präsentierteller” nicht mehr ertragen haben. Dabei fällt mir dann auf, dass die meisten Bowen Islander, die ich kenne, ziemlich hetero und weiß sind, obwohl das wohl nicht unbedingt dem Durchschnitt der Bevölkerung von Vancouver entspricht. Jedem das Seine - mir wäre das ja egal, aber die gerüchtegetragene Ausgrenzung aufgrund des “Anderssein” (und das ganz ohne jegliche Wertung) ist wohl wirklich kaum zu ertragen.
Das Photo des Kindes der beiden Mädels ist echt süß, aber ich habe mich wirklich nicht getraut, zu fragen, wie denn das Kind so “entstanden” ist. Das geht dann höchstens das Kind etwas an, aber mit Sicherheit nicht die nächstbeste (Austausch-) Bowen Islanderin.
(Und ich denke jetzt nicht, dass es an der Zeit ist, zu erwähnen, dass Bowen Island einen starken Frauenüberschuss - auch im fruchtbaren Alter - hat, was notwendigerweise die Homosexualität begünstigen könnte - keine wilden Theorien hier, denn jeder ist, wie er ist - basta).
Viele Grüsse,
Eure Alex
(also natürlich für den Teil von Euch, der auch die Genehmigung hat, mich bei meinem Vornamen zu nennen bzw. das Possessivpronomen nicht allzu wörtlich nimmt)