Heute war ein normaler Tag. Also so normal ein Tag auf Bowen Island eben sein kann.
Ich hab meine Schicht im Knick Knack Nook, unserem Second-Hand-Laden absolviert und durfte auch wieder die Abrechnung machen. Und während meiner Schicht kamen dann mindestens 2 Leute vorbei, die ich persönlich kannte (und die mich kannten). Bowen Island ist wirklich klein (also nicht von der geographischen Ausdehnung, sondern der Bewohnerzahl) und die Zahl der aktiven Bewohner, die immer irgendwo antreffbar sind, ist dafür relativ groß.
Manche Leute brauchen einfach den Kontakt zur Gemeinde, weil sie sonst allein wären und gehen deshalb wohl ständig einkaufen, Kaffee trinken, zum Recycling Depot, Shoppen in Artisan Square oder zur Galerie. Aber was red ich denn da. Ich bin ja auch ständig unterwegs, sonst würde ich die anderen ja auch nicht treffen.
Wie gesagt und heute abend gab es wieder eine kleine Party mit Gulasch- und Gemüsesuppe (it never ends). Ich komme aus dem Kochen echt nicht raus. Aber man gewöhnt sich dann doch irgendwie ein bisschen dran und es ist nicht mehr ganz so schockierend, wenn man improvisieren muss, weil etwas in die Hose gegangen ist.
Das ist irgendwie so wie mit dem Malen. Ich musste mir früher immer Gedanken machen, ob meine Maltechnik gut genug ist und ob das Gemalte danach auch gut aussieht, aber mittlerweile ist es eher die Herausforderung bzw. das Problem, gute Motive und eine gute Bildgestaltung zu entwickeln. Es ist also relativ einfach für mich das Meisterwerk eines Künstlers einigermaßen zu kopieren, aber die eigene Bildauswahl fällt mir dann doch schwer, zumal die Realität oft weniger bunt und besonders ist als sie in den meisten Bilder dargestellt wird. Bei Sonnenauf - und - untergang ist das Licht besonders, aber ansonsten ist alles meist wenig spektakulär. Und dann muss ich wieder an Claude Monet denken, der die Kathedrale von Rouen duzende von Malen mit verschiedenem Licht gemalt hat, wobei er immer mehrere Bilder dabei hatte und beim Wechsel des Sonnenlichts entsprechend das geeignete Bild weitergemalt hat. Ich habe das nie wirklich verstanden, aber erst besonderes Licht macht die Dinge sehenswert. Natürlich darf man als malender Künstler natürlich auch beliebig übertreiben. Ansonsten kann man ja auch einfach ein Photo machen (gell, T.). Insofern ist es jetzt meine neue Aufgabe, mir richtiges Licht zu suchen. Im Übrigen mal man im Dunklen auch bunter, weil man nicht immer genau die richtige Farbe erwischt, sondern einen Farbton, der knapp daneben liegt. Insofern sind wohl auch Monets Seerosen so beliebt, weil er zu diesem Zeitpunkt schon halb erblindet war (Ja, ich bin ein Monet-Fan). Aber was langweile ich Euch mit meinen Stories.
Ansonsten wurde ich heute noch aufgefordert, ein bisschen mehr kanadisch zu sein, d.h. toleranter, netter und diplomatischer (oder alles in einem). Es geht also darum den Leuten schön nach deutscher Art die Meinung mitzuteilen, es aber so gut kanadisch zu verpacken, dass es zumindest freundlich oder lustig klingt. Statt wie ein Löwe zu brüllen soll man also eher wie eine Löwin fauchen und die Jungen gegentlich anstupsen oder im Genick packen und schütteln um die Rasselbande im Zaume zu halten - spielerisch eben, aber nicht furchterregend. An meiner weiblichen Dominanzseite muss ich noch arbeiten.
Gleichzeitig soll ich aber - auf vielseitigen kanadischen Wunsch - unbedingt meinen (schrecklichen) deutschen Akzent im Englischen behalten, weil es einen ja so schön charakterisieren würde, wenn man einen authentischen Akzent hat. Hierzu muss ich allerdings erwähnen, dass man meinen Akzent sowieso nicht mehr nach Deutschland steckt, sondern eher nach Lettland oder dem Baltikum oder Portugal (woher auch immer die das haben, es ist nicht deutsch bzw. nur manchmal).
Mich schauen auch immer alle ein wie ein Huhn, wenn es donnert, wenn ich nach einem Begriff frage. Da habe ich ein Bügeleisen im Second-Hand-Laden in der Hand und frage dann eine Kollegin, wie dieses Gerät heißt, mit dem man bügelt (also “for ironing”). Dass das Gerät selbst ein “Iron” also ein Eisen ist mag für den, der das weiß, wirklich trivial sein, aber für den, der das nicht weiß, ist es dann doch eine neue Info. Viele Begriffe der englischsprächigen Welt sind irgendwie logischer (aber das Thema hatte ich ja schon mal), aber das Englische hat auch einige Vereinfachungen in den letzten Jahrhunderten durchmachen müssen, um die Zuwanderungen in Großbritannien bzw. den Common Wealth Staaten zu kompensieren.
Aber genug von mir für heute. Geht raus und schaut Euch die Sonnenfinsternis an, wenn der Schatten des Mondes die Erde teilweise verdunkelt.
Diesmal profitiert Europa und die partielle Sonnenfinsternis hat ihr Maximum in München so um 9:20, in Berlin um 9:30 und in Grossbritannien so um 8:10 lokaler Zeit. Wundert Euch also nicht, wenn es morgens nicht so hell ist. Der Mond verdeckt die Sonne schon bei Eurem Sonnenaufgang. Aber bitte nicht in die Sonne gucken ohne Schutz!!!
Und natürlich ist es nicht verwunderlich, dass die teilweise Sonnenfinsternis 14 Tage nach der Mondfinsternis stattfindet, da der Mond ja in 14 Tagen einmal von der sonnenabgewandten Seite der Erde zur sonnenzugewandeten Seite der Erde trudelt. Dies alles natürlich während der einmal täglichen Eigenumdrehung der Erde. Und da Mond, Erde und Sonne vor 2 Wochen auf einer Achse lagen, ist es nicht verwunderlich, dass sie immer noch dahezu auf einer Achse liegen. Also vor zwei Wochen waren auf der Achse: Sonne, Erde, Mond (und der Erdschatten fiel auf den Mond) und heute ist auf der Achse: Sonne, Mond, Erde (und der Mondschatten fällt auf die Erde).
Raus mit Euch!
Liebe Grüsse, Alex