Heute morgen war ich wieder mit dem Hund unterwegs. Ich war schon ein bisschen aufgeregt, denn am 1.1. ist auf Bowen Island immer DER Tag, der Polarbär-Schwimmtag, an dem man (wenn man im richtigen Alter ist) sich leichtbekleidet zusammen mit dem Rest der Gemeinde in die eiskalten Fluten des Meeres (oder der Meerenge) stürzt. In Deutschland nennt man sowas wohl Eisschwimmen (ohne Eis).
Ich hab mich also gut vorbereitet, brav gefrühstückt und dann erst einmal eine kalte Dusche genommen. Ich bin ja eigentlich eher ein Warmduscher, aber heute war die tiefere Temperatur angebracht. Dann hab ich mich ordentlich eingecremt (mit Vasline, die mir irgendwanneinmal eine Australierin vermacht hat), denn es ist ja bekannt, dass die sonstiges Meeres-Schwimmer sich immer dick einfetten, um sich vor der Kälte zu schützen.
Überdies habe ich meine Snowboardsachen, meinen Schal, meine Handschuhe und meine blaue chicke Mütze mitgenommen, um optimal vorbereitet zu sein.
Mit diesem Outfit, dem Hund und einer Bekannten, bin ich also zum Bowen Bay Strand am anderen Ende der Insel gefahren. Wir waren schon ein bisschen spät dran. Es war schon 5 vor 14 Uhr und um 14 Uhr würden die Leute ins Wasser stürmen.
Am Strand hab ich dann aber sofort meine restlichen Freunde getroffen, die bereits alle halbausgezogen oder im Bademantel waren. Man war wohl auch sehr skeptisch, ob ich das Polarbär-Schwimmen mitmachen würde, weil ich ja so ein unsportlicher Schisser bin und am Abend vorher noch ein bisschen rumgeeiert bin bezüglich der tatsächlichen Realisierung.
“Wo ist dein Badeanzug?”, wurde ich gefragt und man zeigte sich dann doch beeindruckt, dass ich ein paar Momente später, startklar in meinem Badeanzug (ein bisschen frierend) am Strand rumstand.
“Noch 2 Minuten… Noch 10 Sekunden, 9, 8, 7 …”. Den Rest haben wir alle mitgezählt. Ich schaue noch hilfesuchend zu einer Freundin, dann schubst mich diese Richtung Meer und ich denke mir “Sch… drauf” und stürze mich in die Fluten bis ich bis zum Hals im kalten Wasser bin. Hinter mir dreht man bereits wieder um und ich entschliesse mich spontan, ebenfalls wieder die Flucht aus dem Meerwasser zu ergreifen (Päh, es ist tatsächlich salzig und das ist dann doch das erst Mal in meinem Leben, dass ich Pazifikwasser geschmeckt habe, oder R.?). Ich renne wieder heraus und spüre auf einmal ein wohliges, wärmendes Gefühl. Mir ist nicht wirklich kalt, obwohl ich gerade aus dem Wasser komme, aber die Sonne am Strand scheint so herrlich wärmend auf meinen tropfenden Körper, dass ich versucht bin, mich gar so dick in mein Handtuch einzuwickeln, sondern einfach den Moment zu genießen. Am Strand wurde ein großes Lagerfeuer entzündet und die Leute stehen um das Feuer, wärmen sich und trinken warme, mitgebrachte Getränke. Auch ich habe meinen Tee dabei und wärme mich. Es war echt cool. Und ganz harmlos. Mehr und mehr denke ich, dass die meisten Sachen eigentlich relativ harmlos sind und im Nachhinein war die kalte Dusche morgens viel schlimmer, als das gemeinsame Erstürmen des Meeres.
Später taucht noch ein Schwimmer im Neoprenanzug aus den Fluten auf (so wie in James Bond), landet am Strand an und tappert auf die - bereits wieder angezogenen - Schwimmer zu. Verwundert fragt, man sich, wer das wohl sein könnte, als sich herausstellt, dass es der Bürgermeister der Insel ist, der wohl mal nach dem Rechten schauen wollte.
Den Abschluss zu diesem erfolgreichen Tag bildet dann noch ein Bad im Whirlpool meiner Freunde, aus dem ich nach einiger Zeit aufgrund Hitzeschocks flüchten musste. Es kann ja nicht jedes Wasser so angenehm temperiert sein wie das Meer (aber vielleicht war es auch die Vaseline). Alles in allem ein traumhafter Tag
Liebe Grüsse aus dem herrlichen, sonnigen Kanada
Alex
P.S. Ja, es gibt auch neue Bilder dazu! Frohes neues Jahr!