Wie soll ich anfangen? Ich war heute mit unserem kleinen Hund wieder mal spazieren. Diesmal waren wir im Crippen Park unterwegs, in dem man kaum Leute ohne Hund antrifft. Eigentlich ist ja Leinenpflicht im Park, aber normalerweise ist ja Bart immer so brav und bei Fuß, dass man keine Leine braucht und ich die Leine nur an befahrenen Strassen anlege.
Die Sonne schien wunderschön und glänzte durch die Bäume des Parks (ansonsten war es bitterkalt - so an die 0°C und ich musste gar meine Handschuhe anziehen).
Der Hund und ich tappern also so durch den Park, als ich Bekannte treffe, die ihren Hund ebenfalls Gassi führen. Wir ratschen ein bisschen und Bart gesellt sich währenddessen ein bisschen weiter den Weg entlang. Auf einmal höre ich ein Jaulen, drehe mich um und sehe wie Bart von einem großen Hund am Nacken herumgeschüttelt wird. Der große Hund, angeleint, läßt sich nur schwer von Bart abbringen. Vor meinen Augen sehe ich schon die Bißwunden und den Tierarzt, aber irgendwann gelingt es den Besitzern des großen Hundes Bart freizubekommen. Er rettet sich zu mir. Meine Bekannte kommt und sucht Bart nach Bissen oder Blut ab.
“Nix passiert”.
Ich bin immer noch im Schock. “Warum hat er ihn angegriffen?”, frag ich.
Die anderen Hundbesitzer sind ganz ruhig. “Naja, vielleicht war es ja gar kein Angriff, sondern ein bisschen ausgespielte Dominanz”.
Aha, ich schlucke, verabschiede mich und gehe mit Bart weiter den Weg entlang. Es scheint ihm echt nichts großartig angetan zu haben. Er geht weiterhin auf jeden anderen Hund zu und beschnüffelt ihn. Vielleicht ist er ein bisschen vorsichtiger, aber generell hat er ja nicht einmal eine Narbe abbekommen.
Ich rede nachher mit meiner Vermieterin und sie meint dann, dass es wahrscheinlich das angeleint, nicht-angeleint Problem war und sich angeleinte Hunde immer unterlegen fühlen und deshalb aggressiver sind als sonst. Und klar, es ist nicht das erste Mal, dass Bart als der kleine süße Hund immer die Dominanz der anderen zu spüren bekommt. Aber dumm ist er nicht, der Hund. Klein, süß, offensichtlich unterlegen, aber dann doch recht clever und vor allem unerschütterlich, unglaublich mutig und dickköpfig.
Manchmal fühle ich mich auch so. Und doch ist meine offensichtliche Unterlegenheit beschränkt, weil die körperliche Größe heutzutage ja kaum etwas bedeutet. Insofern muss ich dann auch nicht ganz so mutig sein, wie Bart, der JEDEN Hund und JEDEN Menschen neugierig beschnüffelt. Man darf sich halt nur nicht unterkriegen lassen und seinen Stiefel weiter durchziehen, auch wenn man mal gelegentlich eine gewischt bekommt oder einen jemand im Genick packt und ordentlich durchschüttelt (im übertragenen Sinn natürlich)
Allerdings habe ich auch gelernt, dass man an der Leine immer empfindlicher und aggressiver ist, während man es in der “vermeintlichen” Freiheit dann doch irgendwie leichter hat.
Liebe Grüsse & viel Spass bei Eurer eigenen Hundephilosophie!
Alex