Heute war ich beim Weihnachtslieder singen auf der Insel. Es war sehr nett und ich habe wieder einige Bekannte getroffen. Es ist dann auch immer ganz lustig, wenn Wildfremde auf dich zukommen und sagen “Du bist doch die deutsche Akademikerin?” und Du denkst dir dann: “Aha, das ist wohl wieder eine Bekannte meiner Vermieterin”. Es ist ganz süß. Aber ich bin es mittlerweile echt leid, meine Story zu erzählen, aber das habe ich Euch ja auch schon mitgeteilt.
Am heutigen Abend war es relativ entspannend, denn die meiste Zeit wurden englische Weihnachtslieder gesungen, von denen ich zwar nur die Hälfte von der Melodie her kannte, aber trotzdem mitgesungen habe, wo es ging. Und wieder wurde klar, dass Bowen Island eine von sehr exzentrisch geprägten Menschen dominierte Insel ist, da man sich beim Singen teilweise gegenseitig selbst übertroffen hat und es manchmal nicht ganz so harmonisch endete (also ich spreche hier ausschliesslich von den Liedern).
Das Essen war super und ich habe wieder mal einen neuen Teil der Insel gesehen. Von dort aus konnte man nämlich direkt auf Vancouver blicken und die davor liegende Bucht mit ihren Containerschiffen. Man kommt sich dort “viel näher dran” vor als bei uns in Millers Landing, wo man eben nur die Berge auf dem Festland hinter der Meerestrasse sieht.
Mittlerweile hab ich fast alle Strassen auf Bowen Island gesehen, war in mindestens 7 privaten Häusern und habe mittlerweile auch duzende Leute kennengelernt. Während meiner gesamten Zeit in München war ich bei nicht soooo viel mehr als 7 Leuten (dimensionsmäßig, d.h. unter 30) zu Hause und dabei bin ich nun nicht unbedingt so ganz unsozial. Aber klar, meine Vermieterin ist superlieb und integriert mich, wo sie nur kann. Da muss man dann auch schon mal das Nein-Sagen üben.
Also verloren oder alleine fühle ich mich auf dieser Insel auf keinen Fall. Und die anfängliche Angst vor der Dunkelheit und den lauten Geräuschen nachts ist auch verflogen. In der einen Hälfte des Monats sorgt der Mond für ausreichend Licht und in der anderen Hälfte ist eine Taschenlampe die halbe Miete abends. Aber Gott-sei-Dank haben wir ja die Sonnwende hinter uns und die Tage werden wieder länger.
Naja, zugegebenermaßen wird es ja schon seit Mitte Dezember später dunkel und dass es bis Anfang Januar immer noch später hell wird, interessiert wohl nur Frühaufsteher, aber keine Langschläfer wie mich. (Für den Sonnenauf - und - untergang an Deinem Ort schau doch einfach nach bei TimeAndDate.com).
Aber irgendwie fühle ich mich zur Zeit schon so ein bisschen nach Winterschlaf und es ist gut, dass Weihnachten kommt und die Parties und sonstigen sozialen Events ein bisschen abnehmen. Dann lass ich mich mal überraschen.
Viele weihnachtliche Grüsse ins kalte Europa (und sonstwohin)
Alex