Mit der Zeit wird das Kennenlernen von neuen Leuten echt anstrengend, denn mit jedem bespricht man erst mal dasselbe Thema: Wo kommst du her?, Wieso bist du hier? Wie lange bleibst Du? Was machst du?
So im Laufe der Zeit wird das echt anstrengend. Und deshalb habe ich gestern auch die anderen Sonnwendfeierlichkeiten abgesagt, denn es wäre wieder eine neue Gesellschaft gewesen mit neuen Leuten und Wiederholung der alten Fragen. Es ist wirklich cool, dass man hier so integriert wird, aber eine Integration unter 3000 Menschen ist dann schon anstrengend. Klar, man sieht auch immer mal wieder diesselben Leute, aber die Leute mit denen man sich am besten versteht, sind dann doch meist Leute im gleichen Alter. Klar sind die Geschichten der anderen auch oft interessant und bemerkenswert und eventuell aufschlussreich für das eigene Leben, aber ich bin nun mal erst Anfang 30 und muß mir meinen Weg erst erkämpfen.
Und jeder Mensch, mit dem man über mehr redet, als über die offensichtlichen Standart-Themen gibt einem dann wieder ein Puzzle-Teil mehr im Rätsel des eigenen Weges. Man muß sich dann allerdings auch die Zeit nehmen, das Puzzleteil in das vorhandene Puzzle einzufügen. Das habe ich gestern also gemacht - zu Hause gepuzzelt (rein mental bzw. bei mir schliesst das immer das Internet mit ein).
Unser Christbaum steht übrigens auch schon und das Haus ist (innen) mit vielen Lichterketten geschmückt. Manche Nachbarn übertreffen das mit ihren Lichtinstallationen aber bei Weitem (Ihr kennt das ja von Photos bzw aus dem Fernsehen).
In der Innenstadt von Vancouver sieht es aber dafür relativ trostlos aus. An manchen Stellen in West Vancouver sind Bäume mit Lichterketten geschmückt, aber das scheint hier irgendwie die Ausnahme zu sein. Die Kanadier haben es nicht so mit den Ritualen bzw. sie haben ja eigentlich zuviele davon aus sehr vielen unterschiedlichen Kulturen und dann geht halt einiges verloren bzw. wird vermischt, verändert oder vergessen. Bei uns ist das ja über die Jahrhunderte auch passiert, dass sich Dinge ändern, aber hier passiert das ganze innerhalb von ein paar Jahren. Als ich 2001 in Kanada (Toronto) war, gab es nicht so viele deutsche Sachen, die einem die Integration erleichtern, wie hier. Das mag an dem Vergleich Westküste/Ostküste liegen, aber vielleicht auch daran, dass die Globalisierung hier besonders schnell Einzug erhält und jedes Produkt importiert wird, das von einer kritischen Masse angefordert wird.
Es leben hier übrigens auch viele ältere (eventuell pensionierte) Deutsche, die ihren Lebensabend geniessen - schliesslich ist das Klima (zumindest im Gebiet von Vancouver) sehr mitteleuropäisch (nahezu Deutsch/Münchnerisch), gleichzeitig aber mit viel mehr ursprünglicher Natur wie den Bergen, dem Wasser, etc.. Wer würde da nicht hier wohnen wollen?
Auch ich habe mich mittlerweile dem multilingualen System/Sprache angepasst - auf meiner Tastatur habe ich nämlich ein amerikanisches Keyboard mit deutschen Tasten beklebt und nutzen und ignoriere die Taste somit immer so, wie es mir gerade passt.
D.h. die einzige echte Anpassung, die ich machen muss, ist, die andere Tastaturbeschriftung einfach zu ignorieren.
Insofern: Tschüüüüßßßßß!!!
Eure Alex