Hallo ihr Lieben, hier also der Eintrag von gestern.
Morgens habe ich mich mit einer deutschen Bekannten getroffen und abends war ich dann bei der Operation Red Nose eingeteilt - eingeteilt als Navigatorin - mal wieder.
Mein Team bestand diesmal aus einem 10 Jahre älteren Fahrer, der das Auto der angetrunkenen Person fahren würde, einem 10 Jahre jüngeren Begleitfahrer, der uns an die verschiedenen Ort fahren würde und dann dem Auto des Betrunkenen, den wir nach Hause fahren würden, folgen würde.
Also nochmal ganz einfach (der geneigte Leser mag diesen Abschnitt einfach überspringen). Jemand, der sich zu angetrunken fühlt, um mit seinem Auto nach Hause zu fahren, ruft bei der Telefonzentrale von Operation Red Nose (ORN) in Nord-Vancouver an und hinterlässt seinen Standort, seine Telefonnummer, sein Ziel und seinen Autotyp. Die Telefonzentrale ruft dann im Fahrerlager in Bowen an und gibt uns die Daten durch. Wir rufen daraufhin die Telefonnummer des betrunkenen Anrufers an und lassen uns (rein theoretisch) fehlende Angaben durchgeben. Dann wird ein Team mit 3 Mann losgeschickt im Begleitfahrzeug, um zum Standort des Betrunkenen zu gelangen. Dort übernimmt der ORN-Fahrer die Autoschlüssel des Betrunkenen und chauffiert diesen (inklusive Navigator), wohin er fahren möchte. Das Begleitfahrzeug fährt hinter dem Wagen her und nimmt den Fahrer und den Navigator wieder auf, nachdem das Auto des Betrunkenen inklusive Passagiere seinen Standort erreicht hat.
Die Aufgabe des Navgiator ist hierbei nicht die Navigation, sondern der Papierkram (inklusive Eintreiben von möglichen Spenden). Danach kehrt das Team zur Fahrerzentrale zurück oder wieder telefonisch zum nächsten Auftrag geschickt.
Wir haben am Samstag einen neuen Rekord an zu transportierenden Passagieren inklusive Autos erreicht - allerdings ist der Rekord für einen Dienstzeit von 5 Stunden nicht wirklich beeindruckend. Jedoch muss ich sagen, dass ich mich stets gut verpflegt gefühlt habe. Zunächst gab es eine Brotzeit (ohne Brot, sondern mit Kräckern), anschliessend massig Essen von dem benachbarten Restaurant und nebenbei noch sonstige Naschereien. Außerdem wurde eine Tombola veranstaltet, wo gestiftete Preise versteigert wurden (um die fleißigen Freiwilligen zu belohnen). And guess what (Übersetzung: Und was meinst du, was passiert ist?), ich hab gewonnen. Juhu… insofern war mein freiwilliges Helfen auf jeden Fall ein totaler Gewinn.
Nein, das ist schon irgendwie ein bisschen komisch. Da hilft man freiwillig und dann wird fast soviel Geld für die Versorgung und Befriedigung der Helfer ausgegeben, wie an Spenden eingenommen wird. Aber wahrscheinlich habe ich hier einfach nur den falschen Standpunkt.
Ich beschwere mich ja nicht. Ich habe sehr viele, interessante neue Menschen kennengelernt und wieder viel mehr Einblick in das Leben auf der Insel erhalten. Außerdem bin ich mal auf dem Notsitz eines Pick-Up-Trucks mitgefahren und habe gelernt wie man Cribbage spielt. Cribbage ist ein Kartenspiel, das irgendwie eine Kombination zwischen Poker und Black Jack (17+4) ist. Außerdem habe ich gewonnen - also neben einem Gutschein, noch bei Cribbage und unermeßlich an neuer Erfahrung.
Aber klar, ich bin wieder als Deutsche mit meinem Sinn für Pragmatismus (und Anti-Bürokratismus) aufgefallen. Wer weiß, was das noch bringt!
Das wars von gestern.
Liebe Grüsse, Alex