Ich hab heute im Fernsehen ein Folge Star Trek geguckt (Nein, das wird grad kein kanadischer Kommentar). Und da haben sie im Jahre 1993 doch glatt auf einem einrollbaren Klavier gespielt - also so eines das man ganz klein zusammenfalten kann -and guess what - ich habe genau so ein Rollpiano in meinem Koffer mit nach Kanada genommen. Das ist krass, oder? 1993 war es Fantasie, im Jahr 2010 ist es meine eigene Realität und mittlerweile ist wiederrum 100% meines damaligen Lebens vergangen.
Und die Welt damals war auch irgendwie anders. Neulich habe ich mich mit einer ursprünglich britischen Kanadierin unterhalten, die seit über 20 Jahren in Kanada lebt und sie meinte, sie vermisse die britische Kultur, das Landleben und die Ruhe - mittlerweile. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie wirklich das Land und die Kultur vermisst, die sie vor 20 Jahren verlassen hat oder aber die Zeiten von vor 20 Jahren. Damals waren die Dinge eben anders. Wie sagten schon unsere lieben römischen Freunde “Temporae mutantur et nos mutamur in illis” (Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen). Insofern weiß ich nicht, ob meine kanadische Bekannte das, was sie vermisst in Großbritannien wiederfinden würde, oder ob es den Lauf der Dinge genommen hat und gar nicht mehr existiert (außer in ihrer Erinnerung).
Wie auch immer, apropos Sternzeit… zur Zeit nimmt der Mond wieder stark zu. Auf Bowen Island ist das etwas wichtiges, denn bei Vollmond ist es nicht so schlimm, wenn man seine Taschenlampe vergessen hat. Mit Mond ist es allerdings hell genug, um von der Strasse leicht zum Haus zu finden, während man ohne manchmal wie ein Blinder sich Schritt für Schritt vortastet (Ja, ich hab meistens eine Taschenlampe dabei, weil mich das Herumsuchen im Dunkeln nervt). Dank des Mondes wird es aber immer heller nachts. Dieser Mondzyklus ist sogar etwas besonderes, denn der Vollmond fällt fast mit der Wintersonnwende zusammen. Das passiert nicht so oft, denn Mond und Sonne haben ja keinen direkt gekoppelten Zyklus (von der Erde aus auf Monatsbasis betrachet). Hinzu kommt allerdings in diesem Fall noch, dass die Erde bei Vollmond so zwischen Mond und Sonne steht, dass der Erdschatten auf den Mond fällt.
Zu beobachten ist das am 21.12.2010 5:28 Uhr - 11:06 Uhr UTC (universal time, Greenwich time, Deutschland addiert +1 Stunde). Leider bedeutet das für Europa, dass bis zum Maximum (um 8:16 Uhr UTC - also 9:16 Uhr in Deutschland) längst die Sonne aufgegangen sein wird und ihr davon nicht so viel mitbekommt. Bei uns hingegen fängt es schon um 21:28 an und das Maximum ist dann um 0:16 Uhr - vielleicht kann ich ein paar Kanadier ja zum Mondgucken überreden.
Und am Tag danach, ist dann die Wintersonnwende um 23:38 Uhr UTC. Das ist bei - den meisten von - Euch dann 0:38 Uhr am Mittwoch morgen und bei uns am 21.12. um 16:38 Uhr. Wintersonnwende bedeutet, dass die Sonne sich entschliesst zurückzukommen. Natürlich könnte man auch sagen, dass die Rotationsachse der Erde nicht im 90° Winkel zum Weg um die Sonne steht und so der auftretende Neigungswinkel für Sonneneinfallswinkeländerungen auf dem Weg um die Sonne führt. Oder man stelle sich einfach einen Döner (also am Spiess) vor, der nicht senkrecht steht, sondern um sagen wir mal aus Anschaulichkeitsgründen 45° gekippt ist, sich aber immer noch um seine Rotationsachse dreht. Wenn man jetzt einen Grillföhn nimmt und um den sich drehenden Döner herumläuft kann man gut die Jahreszeiten simulieren. Und bei der Sonnwende befinden wir uns mit dem Grillföhn so vor dem Dönerspieß, dass man nur eine senkrechte Linie sieht (90° zu unserem Föhnweg). Ich weiß, ihr wisst das alle, aber vielleicht will es ja jemand ausprobieren - Astronomie im Dönerladen, oder so. Jaja, auf was für Ideen man so auf einer Insel kommt.
Fröhliche Mondfinsternis/Sonnwendfeiern, ihr Lieben!
Alex
P.S.: Morgen gibts wieder ganz spät Post oder gar keinen, ich hab Operation Red Nose Fahrdienst.