Heute mal ein Bericht von gestern
Ich habe mich nämlich als Freiwillige für die Operation Red Nose gemeldet (nicht zu verwechseln mit dem Red Nose Day von Prosieben/Sat 1 - hier gibt es höchstens eine potentielle Markenkollision). Aufgabe der Operation ist nämlich, Betrunkene nach Weihnachstparties mit ihrem Auto nach Hause zu fahren und dafür dann unter Umständen Spenden zu sammeln, die in die örtliche Jugendarbeit fliessen.
Um überhaupt mitmachen zu dürfen, wurde mein Führerschein und meine sonstige kriminelle Vergangenheit von der RCMP überprüft (nicht dass Sexualtäter ihr Unwesen treiben). Überraschenderweise gab es keinen Eintrag gegen mich, wobei das natürlich auch daran liegen mag, dass ich erst seit 7 Wochen im Land bin *zwinker*.
Nachdem das (nach ein paar Tagen) erledigt war, konnte ich also gestern Abend meinen Dienst antreten - auf Bowen Island, unserer Insel mit 4 Gasttätten, über 3000 Bewohnern und keinem Taxi.
Wir waren eingeteilt in Teams a 3 Leuten, wovon einer ein eigenes Auto mitgebracht hatte, um als Escort-Fahrer zu fungieren (d.h. uns absetzen, dem Auto des Betrunkenen folgen und uns dann wieder mitnehmen). Uns, das sind der Fahrer und der Navigator. Ich - als Bowen Island Neuling - wurde als Navigatorin eingesetzt, aber Gott sei Dank war mein Fahrer schon länger auf der Insel und so musste ich nur den Papierkram erledigen (Fahrenbuch führen, Spenden einsammeln, Spendenquittung ausschreiben etc.). Hierzu haben wir noch tolle rote Westen bekommen, ein Rentiergeweih und eine rote Nase, um der Operation Red Nose alle Ehre zu machen (siehe Photo).
Und dann, um 21 Uhr … war es soweit … Dienstbeginn. Zwei Teams mit ihrem 3 Leuten und 2 Organisatoren, die die Anrufe bzw. Aufträge verteilt haben, haben sich im örtlichen Cafe getroffen…. und gewartet… und gewartet.
Zwischendurch haben wir ein bisschen Werbung in den naheliegenden Restaurants gemacht (wo doch glatt ein paar Leute waren) und haben uns die Zeit vertrieben.
Und tatsächlich kam irgendwann vor 22 Uhr (oder so) der erste Anruf und das andere Team wurde hinausgeschickt. Irgendwann kam dann auch ein Anruf für uns, aber meine Teammitglieder haben ihren Job ganz souverän erledigt und wir haben sogar ein paar Spenden eingenommen. Am ganzen Abend hatten wir zwar nur ein halbes duzend Anrufe insgesamt, aber es war trotzdem ganz nett, mal auf der Insel im Dunkeln rumzufahren (also ich wurde ja nur rumgefahren). Um kurz nach 2 Uhr früh war dann Feierabend, aber die letzte Kneipe auf der Insel hatte wohl sowieso schon um 1 Uhr zugemacht. Ja, das war mein Samstag abend. Nächste Woche habe ich wieder Schicht und dann ist die Aktion auch schon wieder rum (also bis auf Silvester), weil es ja nur um das alkoholisierte Fahren während der Weihnachtszeit ging. In Kanada hat man wohl neulich die erlaubte Promille-Grenze auf 0,5 oder 0,6 gesenkt (von 0,8) und angeblich horrende Strafen für das alkoholisierte Fahren ausgesetzt, so dass die Bevölkerung zur Zeit etwas Panik schiebt und die Restaurants sich schon beschweren, dass niemand mehr Alkohol trinkt. Das Pub auf unserer Insel hat daraufhin wohl auch von 7 Tage die Woche die Öffnungszeiten auf 3 Tage die Woche reduziert, denn die RCMP auf der Insel ist ja knallhart (und vor allem weiß sie genau, wo ihre Pappenheimer rumlungern). Nein, die kanadische Polizei auf der Insel (RCMP - Royal Canadian Mounted Police) ist sehr nett, aber da sie ja sonst nicht viel zu tun haben, wird das Pub “überwacht” - es gibt ja sonst nicht viele Orte, wo man sich öffentlich treffen kann auf der Insel. Auf jeden Fall können die Kanadier die 0,5 noch nicht wirklich einschätzen und trinken deshalb zur Zeit lieber nichts - was ja vollkommen in Ordnung ist, aber man will ja niemand das Trinken völlig verbieten. Und das erhöhte Müdigkeit das Reaktionsvermögen beim Autofahren auch so stark wie eine Alkoholisierung beeinträchtigen kann, sei hier nur am Rande erwähnt. Wir haben gestern auf jeden Fall, alle heil nach Hause chauffiert … in ihrem eigenen Auto und das auf der Insel ohne Taxi.
Alles Liebe,
Eure Alex