Ich war heute in Artisan Square (unserer “Shoppingmeile”) und hab mir die Galerie einer Bekannten angeschaut. Es ist echt krass, aber auf dieser heimligen Insel, ist die eigene Galerie bzw. die Ausstellung der eigenen Werke in einer Galerie vor Ort keine Ausnahme. Es ist jetzt nicht so, dass die Künstler von ihren Werken leben könnten, aber zumindest kann man seine Werke einem breiteren Publikum zugänglich machen. Da musst ich doch glatt wieder an meinen Photographen-Freund denken, der superschöne Photos macht, aber diese kaum jemand zeigt. Hier auf Bowen wäre das alles gar kein Problem (Komm vorbei, mein Lieber!). In Bowen geht man nicht in mitten der Menschen unter, sondern man kennt einander. Neulich hat eine Insulanderin aus Versehen ein Musikgerät ihrer Mutter in den Second-Hand-Laden gegeben, wo es auch sofort gekauft worden ist. Nach einem Hilferuf auf dem elektronischen Forum von Bowen Island, tauchte das Gerät dann doch wieder auf. Das Forum liest eigentlich jeder auf Bowen Island. Hier steht, wo gerade Stromausfall ist, welche Events stattfinden, wann die Fähren außerplanmäßig fahren, was auf der Gemeindeversammlung beschlossen werden soll und viele weitere Infos, die die Insulaner interessieren könnten. Eine Gemeinde, ein elektronisches Forum, aber keine Anonymität. Das Musikgerät ist wieder aufgetaucht und die Suchende wird immer noch regelmäßig darauf angesprochen - das ist der Nachteil der Insel. Jeder kennt jeder oder zumindest kennt jeder, jemanden, der denjenigen kennt. Bei 3000 Menschen und einer etwas kleineren aktiven Gemeinde ist das auch nicht schwer. Aber es gibt auch Insulaner, die aus Gründen der mangelnden Anonymität und Privatsphäre die Insel verlassen haben und aufs Festland gezogen sind. Und wenn ich jetzt auch nur den Job und das ungefähre Alter der Person(en) erwähnen würde, wüßten wieder alle Insulaner Bescheid, um wen es sich denn handelt. Das ist eben Bowen Island. Mund-zu-Mund-Propaganda ist daher auch einer der besten Marketing-Wege. Und gleichzeitig werden die Dienstleister quasi gezwungen, gute Qualität bei einem akzeptablen Preis zu liefern, denn wenn der Preis nicht stimmt geht man eben aufs Festland und wenn die Qualiät nicht stimmt, geht der Dienstleister binnen kürzester Zeit ein. Das ist mehreren Restaurants auf der Insel passiert, deren Essen wohl nicht gut genug für den Geschmack der Insulaner war.
Hier auf der Insel braucht man die Solidarität der Insulaner, um überleben zu können.
Wenn ich da an die Qualität/Schludderigkeit denke, die manche Dienstleister in Grosstädten sich erlauben können, weil sie ständig wechselndes Publikum haben, wird mir selbst ganz schwindelig. Und zugegebenermaßen war ich in München auch nie mehr als 3x bei demselben Friseur. Die Auswahl ist einfach zu groß und wenn mein Wunsch-Friseur keinen Wunsch-Termin freihat, dann gehe ich eben zum nächsten (Solidariät zum Dienstleister = 0).
Liebe Grüsse,
Eure Alex