In Kanada gibt es keinen Personalausweis. Es gibt ID-Karten, aber man weist sich eigentlich hauptsächlich mit dem Führerschein aus. Ich hatte einen Internationalen Führerschein aus Deutschland dabei, der angeblich bis zu 2 Jahren gültig sein sollte, allerdings gilt das mit in British Columbia. Sobald man hier nämlich über 3 Monate ist, muss man einen kanadischen Führerschein beantragen. Noch dazu muss man noch mindestens 6 Monate Aufenhaltsgenehmigung im Land haben. Um irgendwelche Widrigkeiten frühzeitig zu entgehen, habe ich mir also meinen kanadischen Führerschein besorgt.
Bei der Führerscheinstelle musste ich glatte 5 Minuten warten, bevor ich dran kam. Danach ging auch alles Ruckzuck. Meine Sehfähigkeit wurde getestet und danach wollte sie mir noch ein paar Fragen stellen. Fragen? Darauf war ich echt nicht vorbereitet. Ich dachte, ich gebe meinen Lappen (der mittlerweile eine Karte ist) ab und bekomme dafür einen neuen. Mit einem Test hatte ich nicht gerechnet.
“Es sind nur 3 Fragen”, begann die Dame von der Führerscheinstelle, “Was machen Sie wenn vor eine Schule der Schulbus auf beiden Seiten blinkt?”
Naja, das war leicht. Dasselbe wie in Deutschland: “Stehen bleiben… und dann langsam weiterfahren.” Die Beamtinn ignorierte den zweiten Teil einfach.
“Nächste Frage: warum sind Motorräder im Strassenverkehr gefährdeter?”
Ich fange an, einen Vortrag über den toten Winkel in gebrochenem Englisch zu halten, aber die Dame reformiert die Frage: “Warum ist es für den Motorradfahrer gefährlich?” - Ich brabble was von Karrosserie und sie ist zufrieden.
“Letzte Frage” - bitte was einfaches, hoffe ich - “Was bedeutet es, wenn Ampeln grün blinken?”
Flush - Ich spüre wie mir das Blut ins Gesicht schiesst. Darauf habe ich echt noch nicht geachtet. Hat das was mit der Anfang der Gelbphase zu tun? Ich erinnere mich, dass ich mal auf eine Fußgängerampel in Vancouver am Wochenende gestoßen bin, die von den Fußgängern gesteuert werden konnte. Ich brabble was von “Fußgänger” und die Dame lächelt und verbessert mein Englisch, “Ja, diese Ampel ist wird von Fußgängern kontrolliert, die auf Knopfdruck dann das Signal zum Überqueren der Strasse anfordern können. Sehr gut.” Ich bin erleichtert - überstanden. Noch kurz ein Photo und ich bekomme meinen temporären Führerschein ausgehändigt. Juhu…
Das war letzte Woche und inzwischen ist auch der echte Führerschein gekommen. Juhu… jetzt bin ich fast eine echte Kanadierin, denn auf dem Führerschein steht zwar mein Gewicht, meine Grösse und meine Haarfarbe (wie peinlich) aber nicht meine Nationalität. Die Nationalität braucht man hier wohl nur zum Verreisen ins Ausland. Innerhalb der Grenzen wird zumindest hier nicht nach der Nationalität gefragt. Mit einem B.C. Führerschein ist man ein anerkannter Mitbürger (natürlich ohne die weiterführenden Bürgerrechte wie Wahlrecht etc.)
Is scho sche hier. Und das beste zumindest zur Zeit: Es liegt kein Schnee auf meiner Insel, aber ich kann aus meinem Fenster auf das nächtlich beleuchtete Skigebiet von Cypress Mountain blicken (siehe Photos).
Liebe Grüsse in die Heimat (oder wo immer du gerade bist) - ich hoffe, Dir gehts gut im Schneechaos!
Deine Alex