Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht am besten am Anfang. Geschneit hat es nicht mehr, sondern nur noch geregnet, so dass sich der Schnee langsam in Schneematsch verwandelt hat. Die Bowen Islander sagen, ihr Schnee ist rutschiger als sonstwo und sie scheinen irgendwie recht zu haben, denn ihr Schnee hält nicht lange und bekommt leicht eine sehr rutschige oder eisige Konsistenz (aber das ist natürlich auch nur die Sichtweise von Insulanern, die normalerweise nicht mehr als 1-3 Wochen Schnee im Jahr haben).
Mein Vormittag war relativ erfolglos. Nachmittags bin ich dann mit der letzten Vormittagsfähre (12:30 Uhr) und dem Expressbus nach Westvancouver (genauer gesagt zum Einkaufszentrum Park Royal) gefahren. Dort war ich allerdings auch relativ erfolglos.
Insofern war ich froh, als ich wieder auf der Insel war. Mit meiner Vermieterin bin ich zur Autowerkstatt der Insel gefahren, um ihre Winterreifen aufziehen zu lassen. Als wir in das Büro der Werkstatt kamen, wurde meine Vermieterin mit Namen begrüßt, was ja hier mittlerweile nicht mehr überraschend ist, aber einer der Gäste des Potluck (siehe mexikanische Veggie-Party) war gerade da und man kam dann irgendwie wieder ins Ratschen. Um auf den Reifenwechsel zu warten, sind wir dann in die Innenstadt (Artisan Square) der Insel gelaufen und haben bei Cocoa West (einem Chocolatier, der seine Schokoladen selbst macht) einen Kakao getrunken. Das Cafe ist relativ klein, mit ca. 3-4 Tischen. Als wir ankamen, waren Bekannte meiner Vermieterin da. Nachdem die gegangen waren, kam noch ein Gast des gestrigen Abends vorbei, der sich auch bedankt hat und nach dem kam nochmal eine Bekannte meiner Vermieterin vorbei.
Danach haben wir das Auto wieder abgeholt, mussten aber noch etwas einkaufen. Insofern sind wir zum General Store gefahren (der bei Snug Cove) und haben dort - man glaubt es kaum - noch zwei Gäste des Potluck getroffen.
Zusammenfassend haben wir also ca. 30% der Gäste der Privatveranstaltung am Mittwoch abend zufällig am Freitag spätnachmittag in der “Stadt” getroffen. Das ist krass, oder?
Nun, es gibt auf der Insel keinen anderen Ort, um wohin zu gehen, aber trotzdem.
Am Abend wurde ich mit zur kanadischen Legion mitgenommen (The Legion auf Scarborough Road), wo es wohl einmal die Woche ein gutes Abendessen gibt. Das wird allerdings hauptsächlich von Rentern (nicht mal Veteranen) genutzt, um Gleichgesinnte zum Essen zu treffen. Nun, ich war nicht die jüngste, aber die Anzahl der Anwesenden in meiner Altersgruppe war doch sehr begrenzt und meine Begleiterinnen waren auch eher die jüngeren Besucher (obwohl deren Alter meines doch deutlich überschreitet). Nun, das Essen war auf jeden Fall gut. Es gar Shepards Pie in einer gemüsigen Variante. Danach gab es dann noch eine Tombola und schliesslich Nachtisch. Alles in allem also eine Seniorenveranstaltung im Rahmen des Clubs der Veteranen des kanadischen Militärs.
Auch mal eine Erfahrung.
Danach sind wir in das italienische Restaurant der Insel (Tuscani), denn eine Bekannte kannte die Band, die dort im Jazzkeller für die Musik sorgt und so bekamen wir, sobald wir angekommen sind, ein privates Jazzkonzert geliefert. Ich bin jetzt kein besonderer Fan von Jazz, aber wenn man live für mich spielt, dann fühle ich mich doch geehrt. Leider mussten wir aber nach kurzer Zeit wieder gehen, denn wir waren noch zu einer Geburtstagfeier eingeladen. Nun, ich war es ja eigentlich nicht, aber ich bin zur Zeit einfach der deutsche Anhang (sowas wie ein Hund - Darf ich meinen Hund mitbringen? Ja, klar. Darf ich meine deutsche Mitbewohnerin mitbringen - sie kennt doch noch niemand auf der Insel? Ja, klar. Hunde, Deutsche, alles erlaubt - nein, die Kanadier und insbesondere meine Vermieterin sind wirklich sehr nett).
Wir sind also ans andere Ende der Insel gefahren (zum ersten Mal) zum Clubhaus der Bowen Community (oder so), wo eine lokale Berühmtheit (also ich nenne das mal so, wenn man wohl über 50% der Einwohner kennt) ihren 50-igsten Geburtstag gefeiert hat (Unsere Getränke mussten wir allerdings trotzdem selbst mitbringen). Wie wohl fast immer auf dieser Insel hat eine Live-Band gespielt (Es gibt ja hier massig Bands, Chöre, etc.) und ich habe viele nette Insulaner kennengelernt. Comedians, Journalisten, Wasserinstallateure, Musiker, Maler, Akademiker, Doktoren, aber eigentlich ausschliesslich Eltern oder zumindest verheiratete Menschen. Das Durchschnittsalter war auch wieder über 40, aber ich war wieder nicht die jüngste (trotz meines fortgeschrittenen Alters ;-)).
Es war also eine sehr nette Party mit guten Gesprächen und viel neuen Leuten. Mittlerweile habe ich wohl wirklich schon ca. 1% der Bevölkerung von Bowen Island mal persönlich bei einer Veranstaltung getroffen (bei der Remembrance-Zeremonie zum 11.11. waren ja auch schon ca. 10% anwesend, die ich gesehen habe). Nein, natürlich geht es hier nicht darum, möglichst schnell die ganze Insel kennenzulernen, aber es ist krass, wie schnell das in dieser Gemeinde geht.
Meine Bekannten vom Festland berichten, dass sie außerhalb der Arbeit kaum neue Leute kennenlernen und empfehlen mir dringend irgendwelchen Clubs beizutreten. Bisher habe ich aber weder kanadische Arbeit noch bin ich Mitglied in einem Club, aber ich fühle mich alles andere als allein. Aber klar, ich hatte natürlich auch ungeheures Glück mit meiner Vermieterin. #
Was für ein ereignisreicher Tag! Vielen Dank dafür!
Viele Grüsse von Bowen Island,
Eure Alex