Heute war wieder ein regnerischer Tag. Trotz allem bin ich in der früh zu unserem Briefkasten gelaufen. Der Briefkasten steht ca. 10 Minuten die Strasse runter (zu Fuß) und ist ein grüner Brieffachkasten, auf dem lediglich die Nummer des Faches steht. Die einzelnen Fächer sind dann mit Nummernschlössern oder normalen Schlüssel-Hängeschlössern gesichert.
Ich hatte auch wieder unseren Hund dabei. Post für mich war leider (noch) keine da, aber eventuell muss man mich dann doch noch bei der Post anmelden.
Ansonsten habe ich heute noch Bekanntschaft mit einem Wesen der anderen Art gemacht. Als ich so auf dem Balkon stand, kam auf einmal ein Riesenbrummer angeflogen. Nun, es war kein Helikopter, aber ich konnte den Lärm und die Vibrationen über mir deutlich spüren. Was sollte das sein? Eine Riesenwespe. Nun, nach dem das Ding zweimal über mir angerauscht und wieder abgeflogen war, habe ich es erkannt. Es war ein Kolibri, der an die Vogelzuckertränke wollte, die meine Vermieterin unterhalb des Daches angebracht hat. Sie hatte mir auch schon erzählt, dass sie mit Zuckerwasser die “humming birds” füttert. Als ich das hörte, hatte ich an einen “brummenden Vogel” gedacht und den Gedanken schnell wieder vergessen. Nachdem ich nun aber selbst unterhalb des fliegenden Kolibris stand und seine sich unheimlich schnell bewegenden Flügel betrachten konnte (sofern das möglich ist), ist mir der englische Name um ein Vielfaches sinnvoller vorgekommen, aber das mag daran liegen, dass es in Deutschland keine Kolibris gibt (???).
Heute abend bin ich dann zum Bowen Community Choir Coffee House. Das ist eine Veranstaltung des örtlichen Chores. Und so haben sich der Chor und seine Zuhörer in einer Kirche in Bowen versammelt und ein kleines Musikprogramm in Gruppen von 1-4 Leuten abgehalten. Das war sehr lustig. Manche Leute haben sehr gut gesungen und andere weniger, manche haben Gedichte aufgesagt, andere musikalisch untermalte Geschichten erzählt und wieder andere klassische Stücke interpretiert. Ein buntes Potpouriee von kanadischer Musik bzw. auch eigener Inselmusik. Bowen Island ist ja eine Künstler-Insel und insofern schreiben sie natürlich auch ihre eigenen Songs. Dazu gab es dann Tee und Kuchen.
Und dann dachte ich mir, dass sowas der eigentliche Zweck von Kirchen war - die Homogenisierung/das Zusammenbringen der Menschen. Menschen verschiedensten Alters und verschiedenster Klassen treffen sich und sind beisammen (und singen zusammen und trinken Tee und Kuchen).
Natürlich gibt es so etwas auch bei uns, aber irgendwie ist das hier übersichtlicher.
Unter 1.5 Mio Menschen geht man leichter verloren als unter 3000. Und das verbindende Element auf Bowen ist zumindest die Entscheidung auf einer Insel zu leben und all seine Vor- und Nachteile hinzunehmen.
Einer dieser Nachteile (wenn man das so nennen will) ist, dass man - zumindest im Herbst/Winter - immer eine Taschenlampe dabeihaben sollte. Strassenlaternen gibt es nämlich nur auf den geteerten Hauptstrassen, während die anderen Strassen eher Feldwegen ähneln und meist keinerlei Beleuchtung haben. Insofern ist eine Taschelampe meist unumgänglich, sofern man nicht im Dunkeln tappen will.
Zwar ist Bowen Island nur gut ein paar Kilometer vom Festland entfernt und 10 km vor Vancouver, aber die Lichter der Stadt erhellen den Himmeln nur an mittelmäßig wolkigen Tagen. Bei stärkerer Bewölkung oder Nebel ist es auf Bowen stockdunkel. An sehr schönen Tagen sieht man die Sterne deutlich besser als in der Grossstadt, was ein grosser Vorteil ist.
Ich bin erst seit ein paar Tagen auf dieser Insel und insofern werde ich die echten Vor- und Nachteile erst nach und nach zu spüren bekommen, aber seid gewiß: Ich halte Euch auf dem Laufenden.
Liebe Grüsse,
Eure Alex