Nachdem ich gestern abend gaaaanz alleine verbacht habe und früh schlafen gegangen bin, weil ich so fertig war von der frischen Luft und der Natur, bin ich heute wieder auf Anraten einer Australierin mit meiner deutschen Bekannten in das drittgrößte Shoppingzentrum von Kanada aufgebrochen. Es liegt so ca. 20 Minuten von der Innenstadt entfernt, aber ist mit der U-Bahn super erreichbar. Auf den ersten Blick sieht das Shopping-Center gar nicht so gross aus, aber wenn man dann mal über eine Stunde in einem einzigen Stockwerk verbracht hat, ohne grossartig einzukaufen, dann merkt man schnell, dass es riesig ist. Die Übersichtskarten, die überall aushängen, sind allerdings so komplex, dass man selbst kaum etwas darauf findet bzw. es dauert dann einfach zu lange herauszufinden, wo man gerade ist und wo man hin will, Dafür gibt es aber ganz nett asiatische Inline-Guides (mit roten Skates und Helm), die einem überallhin sofort den Weg erklären und selbst zwischendurch durch das Einkaufszentrum skaten. Wir: “Wo ist das und das?” Der Inline-Guide: “Das ist ca. ein 10 minütiger Fußweg” (.. ans andere Ende). Es ist also gross, riesig … und es gibt alles auch ESPRIT (mit denselben Klamotten wie in Deutschland) und SWATCH (wobei die auch MEINE UHR im Angebot hatten). Es gibt einen riesigen Food Court, einen Restaurantbereich, in dem man zwischen ca. 20 verschiedenen Fast-Food Läden wählen kann (chinesisch, mexikanisch, japanisch, vietnamesich, koranisch, aber auch griechisch, portugiesisch und klar: Burger gabs auch massig). Weiterhin gibt es beliebige Süßigkeitenläden mit Schokofrüchten, Keksen, aber auch Eis und Fruchtsäften. Es gibt fast alles, aber alles Fast-Food. Nach anderthalb Stockwerken waren meine Begleiterin und ich so gerädert/überwältigt, von den Eindrücken, dass wir uns entschieden haben uns auf das zu konzentrieren, was wir eigentlich kaufen wollten. Und eigentlich hatte uns die Australiern losgeschickt, ein Halloween-Kostüm zu kaufen (und das, wo ich ein so ungeheuer großer Fan von Fasching und Verkleiden bin). Naja, wir haben uns dann auf künstliches Blut geeinigt.
Als im extra eingerichteten Halloween-Laden, in dem es ausschliesslich Halloween-Verkleidungen gibt (Also Fertigkostüme aller Art für ca. 50 $), allerdings die Schlange durch den halben Laden ging (so 30 Leute vielleicht), haben wir uns entschieden, den Einkauf des künstlichen Blutes zu verschieben und einfach nur noch was zu trinken zu kaufen.
Wir gehen also in den nächsten Supermarkt (T & T oder so) in dem riesigen Einkaufszentrum und sind gleich wieder überwältigt, denn anscheinend ist es ein asiatischer Riesensupermarkt. Es gibt hier also alles, frisches Fleisch, außergewöhnliches Obst und Gemüse, komische Süßwaren, allerlei Gewürze und getrocknete Waren … und zuletzt nach langem Suchen sogar Wasser (wohl für die wenigen verirrten kaukasischen Kanadier). Die Kassierer/Bedienungen sind alle asiatisch und wahrscheinlich zweisprachig. Wer hier einkauft, braucht nicht wirklich englisch zu sprechen, denn es ist alles zweisprachig ausgezeichnet (Man möge mir verzeihen, dass ich die asiatische Sprache nicht eindeutig erkenne - wahrscheinlich chinesisch).
Nach diesem asiatischen Abenteuer-Supermarkt, sind wir beiden deutschen Mädels in diesem Mega-Einkaufszentrum aber tatsächlich am Ende und fahren wieder mit der S-Bahn (Skytrain) ins Zentrum von Vancouver. Da stapfen wir dann gemütlich in einen stinknormalen Drogeriemarkt und kaufen endlich das künstliche Blut, das uns im Einkaufszentrum so viele Nerven gekostet hat.
Ab und zu kommen uns bereits verkleidete Leute entgegen. Es gibt die lustigsten Verkleidungen. Der einzige/deutlichste Unterschied zu deutschen Faschings-/Karnevalverkleidungen ist wohl, dass hier alle in diesen vorgefertigten, gekauften Verkleidungen (made in China) rumlaufen. Dafür sind die Maskierungen aber teilweise wirklich erschreckend echt und erschauderlich.
Mich berührt das wenig. Vancouver ist eine sichere und saubere Stadt.
Es gibt zwar zahllose Penner auf den Strassen, aber wenn man sich nicht gerade auf der East-Hasting-Street oder in Chinatown befindet, verhalten sich alle relativ unauffällig und normal (Das ist auf der East-Hasting anders, weil sich die Penner und Drogensüchtigen dort oft in richtigen Grüppchen zusammenfinden, mehr trinken und gerne rumschreien).
Die Granville Street, auf der sich mein Hostel befindet, ist die Ausgehmeile der Stadt und liegt inmitten Downtowns (also nicht geographisch, sondern ideologisch). Ich hab noch nie soviele Cents innerhalb weniger Minuten gefunden wie hier (es waren so 10 innerhalb von 10 Minuten, aber das kann auch daran liegen, dass die anderen das Geld nicht aufheben - was dann aber nicht für viele echte Penner spricht).
Meinen Abend hat dann allerdings abgerundet, dass ich in Chapters Bookstore, einem grossen Buchladen - so ähnlich wie Hugendubel, nach 20 Uhr noch ein französisches Buch kaufen konnte - falls das mit dem Job bei der Heli-Ski-Firma in Whistler doch noch klappt.
Viele Läden machen am Samstag in Vancouver City trotzdem schon um 7 zu (z.B. das grosse Pacific Center - Einkaufszentrum hatte wohl schon zu).
Ich frage mich, ob man in Deutschland bzw. Bayern, die Ladenöffnungszeiten nicht einfach auch freigeben kann, so dass diejenigen aufmachen/-lassen können, die es wollen. Letztendlich kann dann der Kunde entscheiden, wann er einkaufen will.
Ich hab erstmal alles, was ich brauche. Außer natürlich einem Job und einem eigenen (bzw. angemieten) Zimmer … Heute habe ich dazu wieder mit einer anderen Deutschen aus einem anderen Hostel gesprochen, die mich dann für total naiv hielt, als ich ein Gehalt von 10-15 $ als realistisch angesehen habe, weil sie wohl für 8 $ (brutto) in einem Restaurant arbeitet. Sie selbst sei wohl seit einem Monat hier, hätte noch keine Wohnung, aber ein Auto und 2 Jobs - na bravo. Jobs und Wohnungen gibt es wohl nur über “craigslist”, einer Internetplattform und sie sei wohl täglich mindestens 2 Stunden damit beschäftigt, Lebensläufe zu schreiben und nach Stellenanzeigen zu suchen.
Welcome to Canada!
Nun, die Naivität werde ich mir hier erst mal behalten und gucken, ob man mich braucht. Und wenn nicht, dann muss ich dann wohl die “resignative Reife” (*zwinker*) erlangen und auch 2 Dummie-Jobs irgendwo annehmen.
Schau mer mal, dann sehn mer’s scho … (Ich merke gerade, dass ich mich hier ein bisschen wiederhole. Der geneigte Leser mag meine Wiederholungen einfach ignorieren).
Liebe Grüsse, Alex