Diese Frage bezieht sich automatisch auf den 11. September 2001 - also für alle die ihn miterlebt haben und man sich nicht gerade am 13. September eines beliebigen Jahres befindet.
Ich wurde angerufen von T.R. Ich war gerade in meinem Studentenwohnheim, der Fernseher lief und T.R. wollte irgendetwas wissen. Ich sagte: “Es ist gerade ein Flieger in die Twin Towers geflogen”. Er verstand nicht… und ich konnte auch nicht mehr sagen “In New York, mach den Fernseher an!”
Es war eines der schockierendsten Erlebnisse meines Lebens. Und fast jeder weiß noch, was er zu diesem Zeitpunkt getan hat. Damit mithalten kann auf meiner persönlichen Rangliste nur ein Tag im August, wo ich lange geschlafen hab bei meinen Eltern. Irgendwann kam meine Mutter in mein Zimmer und meinte “Diana ist tot”. Das war extremst schockierend gewesen für meine Mutter und deshalb erinnere ich mich daran auch sehr gut. Ansonsten sind die meisten Nachrichten dann doch eher von allgemeiner Gleichgültigkeit begleitet. Ach ja, es gibt wieder irgendwo auf der Welt ein Erdbeben oder Politiker sind sich uneinig oder der Iran baut wieder angeblich Atomwaffen oder ein Zug ist entgleist. Aber nein, die wenigsten Ereignisse bleiben einem dann so extremst in Erinnerung. Irgendwie treffen einen dann nur Sachen, in denen man irgendwie persönlich/emotional involviert ist.
Auf den Twin Towers war ich zufälligerweise im Juni 2001 und sie repräsentierten ausserdem die Überlegenheit des Westens (also zumindest in meiner kleinen Welt). Und Lady Diana (Spencer) war eine derart charismatische Persönlichkeit, dass sie von sehr vielen Menschen sehr geliebt wurde.
Das Erdbeben auf Haiti letzten Monat hat mich persönlich ehrlich gesagt nicht sehr stark berührt. Aber einem Freund von mir geht es anders. Er hat dort eine Zeit gearbeitet, Menschen gekannt, die dem Erdbeben zum Opfer gefallen sind. Er hat mir Photos gezeigt … von sich mit Menschen, die noch vor ein paar Wochen quietschlebendig waren, aber nun nicht mehr unter uns weilen. Das ist traurig. Das tut mir leid. Und doch weiß ich nicht, was ich tun kann.
George Clooney hat etwas getan. Er hat seine sämtlichen Kontakte und Bekannten zusammengetrommelt und eine Spendengala/-konzert für Haiti organisiert. Er selbst hat ein Milliönchen Dollar gespendet und so an einem Abend für 40 Millionen Euro zusammengetrommelt. Doch auch deutsche Hilfsorganisationen und die Regierung sind nicht untätig und stellen Millionen an Mitteln zur Verfügung.
Leider wird die Zahl der Toten sich wohl trotzdem auf ca. 100 000 - 200 000 Menschen belaufen. Das sind ca. so viele Menschen, wie bei den Atombombenanschlägen in Hiroshima und Nagasaki am 06. und 09. August 1945 ums Leben gekommen sind. Ansonsten fällt mir (vielleicht neben dem Tsunami von Weihnachten 2004 - an dem ich gerade an meinem Puzzleglobus gepuzzelt habe) gerade kein jüngeres geschichtliches Ereignis ein, das dem gleichkommen würde (in dieser kurzen Zeit und auf so kleinem Gebiet - dass Kriege, Katastophen und Hunger in aller Welt viel mehr Menschen das Leben kosten, ist mir auch klar).
Und doch bleibt oft nicht mehr als ein Schulterzucken - na und? Was macht denn schon den Unterschied zwischen 100, 1000 oder 100 000 Menschen, wenn es mir in meinem Leben gut geht?
Mein Leben ist schliesslich nicht in Gefahr, oder? (Das war am 11.September anders)
LG, Alex